• Michael (MAS GREEN IDEAS)

Nachhaltigkeits-Glossar

Aktualisiert: 26. Aug.

Was bedeutet Nachhaltigkeit überhaupt? Was gehört alles dazu? Es gibt unterschiedlich viele Begriffe, Auffassungen und Zertifizierungen rund um Nachhaltigkeit. Da verliert man schnell auch mal den Überblick. Mit dem MAS Nachhaltigkeit-Glossar möchten wir Klarheit schaffen!

Hinweis: Die Liste wird regelmäßig aktualisiert.

 

A - C

Backcasting:

Backcasting ist ein strategisches Planungsinstrument, bei welchem im ersten Schritt zunächst definiert wird, wie die Zukunft z.B. in 25 Jahren aussehen könnte. Im zweiten Schritt wird dann analysiert, mit welchen strategischen Maßnahmen und Methoden dieser Zukunftszustand erreicht werden kann.


Biokapazität

Biokapazität (Kurzform für biologische Kapazität) beschreibt die Fähigkeit eines Ökosystems, biologisch nutzbringende Materialien zu produzieren und von Menschen produzierten Müll aufzunehmen.


Business Case for Sustainability 

Geschäftsfall der Nachhaltigkeit; das bedeutet, entweder den Unternehmenswert (Shareholder Value) durch Nachhaltigkeit zu steigern oder einen Beitrag zur Rentabilität zu leisten oder zumindest möglichst kostengünstig zu produzieren bzw. agieren.


CG Kodex

Die von der Bundesministerin für Justiz 2001 eingesetzte Regierungskommission hat am 26. Februar 2002 den Deutschen Corporate Governance Kodex verabschiedet. Der Kodex dient dazu, die in Deutschland geltenden Regeln für Unternehmensleitung und -überwachung für nationale und internationale Investoren transparent zu machen, um so das Vertrauen in die Unternehmensführung deutscher Gesellschaften zu stärken.


Code of Conduct

Eine Sammlung von Richtlinien und Regelungen, die sich Unternehmen im Rahmen einer freiwilligen Selbstbindung auferlegen. Die formulierten Verhaltensanweisungen dienen als grundlegende Handlungsorientierung für Mitarbeitende, um erwünschtes Verhalten zu fördern bzw. unerwünschte Handlungen zu vermeiden. Thematisch kann das Regelwerk sehr breit sein und von Korruption, über den Umgang mit Kunden, bis hin zu Arbeitszeitregelungen reichen; die Detaillierungstiefe kann sehr unterschiedlich sein.


Corporate Citizenship

Das bürgerschaftliche Engagement in und von Unternehmen, die ihr Verhalten und ihre Strategie mittel- und langfristig verantwortungsvoll ausrichten und die sich über die eigentlichen Geschäftstätigkeit hinaus wie gute Bürgerinnen und Bürger aktiv für die Zivilgesellschaft einsetzen, wie z. B. für ökologische oder kulturelle Belange.


Corporate Governance

Die Gesamtheit aller internationalen und nationalen Regeln, Vorschriften, Werte und Grundsätze, die für Unternehmen gelten und bestimmen, wie diese geführt und überwacht werden. Ordnungsrahmen für die Leitung und Überwachung von Unternehmen, z. B. mittels Gesetze, Richtlinien, Kodizes, Absichtserklärungen, Unternehmensleitbild etc.


Corporate Responsibility

Unternehmensverantwortung; im weiteren Sinne der Grad des Verantwortungsbewusstseins eines Unternehmens, wo immer seine Geschäftstätigkeit Auswirkungen auf Mitarbeitende, Gesellschaft, Umwelt und wirtschaftliches Umfeld hat; im engeren Sinne eine Unternehmensphilosophie, für die Transparenz, ethisches Verhalten und Respekt vor den Anspruchsgruppen ausschlaggebend bei unternehmerischen Entscheidungen ist. Der Begriff CR umfasst CSR, CC und Corporate Governance.


Corporate Social Responsibility

Unternehmerische Gesellschaftsverantwortung; der freiwillige Beitrag von Firmen zu einer nachhaltigen Entwicklung, die über die gesetzlichen Forderungen (Compliance) hinausgeht.


Cradle-to-Cradle-Ansatz

Das Cradle-to-Cradle-Konzept wurde 2002 von Braungart und McDonough begründet. Hintergrund ist die Kenntnis um die Endlichkeit natürlicher Ressourcen, die ein Umdenken bei deren Einsatz in der Güterproduktion erfordert. Die Idee ist, schon bei der Planung und Entwicklung eines Produktes die Weiter- oder Wiederverwertbarkeit der einzelnen Komponenten zu berücksichtigen und dadurch keinen Abfall, sondern nur noch weiterverwertbare Rohstoffe zu produzieren. Der Cradle-to-Cradle-Ansatz basiert auf der Logik geschlossener Kreisläufe.

Der konventionelle und nicht-nachhaltige Ansatz bezeichnet man als Cradle-to-Grave-Ansatz. Ansatz, der den gesamten Lebenszyklus eines Produktes, von der Fertigung bis zur endgültigen Beseitigung ("von der Wiege bis zur Bahre") berücksichtigt.


D - F

Energieeffizienzkennzeichung

Die seit 1998 eingeführte, verpflichtende Produktkennzeichnung für Elektrogeräte, auch als europäisches EU-Energie-Label oder Energieetikett bekannt, gibt Auskunft über die relative Energieeffizienz der Produkte. Die Geräte werden danach in Energieeffizienzklasse (A-G) unterteilt.


Energy Star:

Energy Star ist eine Produktkennzeichnung für energiesparende Haushaltsgeräte, elektronische Geräte und Bauprodukte, z. B- Fenster oder Baustoffe. Der Energy Star wurde von der amerikanischen Umweltschutzbehörde (EPA), dem U.S. Department of Energy (DOE) und von Herstellenden entwickelt. Seit 2001 wird das Energy-Star-Programm auch in der EU eingesetzt und vom Energy-Star-Büro der Europäischen Gemeinschaft (EGESB) verwaltet.


Environmental Shareholder Value

Der durch das Umweltmanagement bzw. durch Ökoeffizienz und -effektivität geschaffene Shareholder Value (Aktionärswert) bzw. Unternehmenswert.


Fair-Trade-Label

Der seit 1992 existierende, gemeinnützige Verein "TransFair" vergibt das Fair-Trade-Label an Produkte (überwiegend Lebensmittel) nach den Standards der Fairtrade Labeling Organizations International (FLO). Die Standards setzen Kriterien zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen von Produkten. Bisher werden Fair-Trade-Labels hauptsächlich für landwirtschaftliche und kleingewerbliche Produkte sowie Textilien eingesetzt.


G - I

Gender Mainstreaming

Prozess der Bemühungen der rechtlichen und faktischen Gleichstellung von Frau und Mann in Wirtschaft und Gesellschaft.


Global Reporting Initiative (GRI)

Initiative, die aufgesetzt wurde, um die Berichterstattung über ökonomische, ökologische und soziale Aspekte für Organisationen selbstverständlich und mit dem Jahresabschluss vergleichbar zu machen. Sie verfolgt diese Vision, indem sie die Verwendung des GRI Nachhaltigkeitsberichtsrahmens kontinuierlich weiterentwickelt sowie Netzwerke aufbaut.


GRI-Standards

Die GRI-Standards sollen einen allgemein anerkannten Rahmen für die Berichterstattung über die ökonomische, ökologische und gesellschaftliche/soziale Leistung einer Organisation zur Verfügung stellen. Sie sind untergliedert in drei universelle (GRI 101-103) und 33 themenspezifische Standards (GRI 20X-40X)


J - L


M - O

Nachhaltigkeitsbericht

Nachhaltigkeitsberichterstattung umfasst die Erhebung, Offenlegung und Rechenschaftslegung zur Leistung einer Organisation hinsichtlich ihrer Nachhaltigkeitsziele. Ein Nachhaltigkeitsbericht bietet eine ausgewogene und angemessene Darstellung der Nachhaltigkeitsleistung der berichtenden Organisation und enthält sowohl positive als auch negative Beiträge.


Obsoleszenz

Geplanter Verschleiß von Produkten, der häufig mit vorsätzlichen eingebauten Schwachstellen verbunden ist; von lat. Obsolescere, d. h. sich abnutzen, alt werden, aus der Mode kommen, an Ansehen oder an Wert verlieren. Im Nachhaltigkeitsmanagement gilt es die Obsoleszenz zu überwinden.


Ökobilanz:

Eine Produkt-Ökobilanz (engl. Life Cycle Assessment) erfasst und analysiert systematisch die ökologischen Auswirkungen von Produkten während des gesamten Lebensweges. Dazu zählen die Umweltauswirkungen (z. B. umweltrelevante Entnahmen aus der Umwelt sowie Emissionen in die Umwelt) während der Produktion, der Nutzungsphase und der Entsorgung des Produktes sowie die damit verbundenen vor- und nachgeschalteten Prozesse (z. B. Herstellung der Rohstoffe). Die Normenreihe DIN EN ISO 14040 legt allgemeine Grundsätze für die Durchführung von Ökobilanzen fest.


Ökoeffektivität

Ökoeffektivität beschreibt den Zielerreichungs- oder Wirkungsgrad einer ökologischen Maßnahme, indem sie den Grad ihrer (absoluten) Umweltverträglichkeit bemisst; häufig im Kontext von Ressourceneffizienz, der Material- oder Energieeffizienz gebraucht; auch Umweltwirksamkeit.


Ökoeffizienz

Hier sind mehrere Definitionen möglich. Die Ökoeffizienz ist als das Verhältnis von Wertschöpfung zu ökologischer Schadschöpfung definiert. Beispiele für Maße der Ökoeffizienz sind Wertschöpfung €/Tonne emittiertes Kohlenstoffdioxid, Wertschöpfung €/Tonne fester Abfall oder Wertschöpfung €/Kilowattstunde verbrauchter Energie. Spezifische Teilausprägungen der Ökoeffizienz spiegeln sich in der Ressourceneffizienz, der der Material- oder Energieeffizienz sowie der Wasser(everbrauchs-)effizienz wider.


Ökoeffizient-Analyse

Bei Produkten beschreibt die Ökoeffizienz das Verhältnis zwischen der Umweltauswirkung eines Produktes bzw. einer Alternative und den damit verbundenen Kosten. Im Gegensatz zur CO2-Effizienz oder Energieeffizienz werden hier mehrere Umweltauswirkungen zusammen betrachtet, sodass es notwendig ist, im ersten Schritt die Umweltauswirkungen nach einem zu beschreibenden Bewertungsmodell auf einen Wert bzw, eine Maßeinheit zu aggregieren.


Ökoleasing

Ökoleasing bzw. das Konzept des Dienstleistungsunternehmen- oder Serviceprosukts bedeutet, dass Kundinnen und Kunden den Service eines Produktes lediglich für eine gegebene Nutzerzeit und nicht das Gerät selbst erwerben.


Ökologischer Fußabdruck

Die Fläche der Erde, die notwendig ist, um den Lebensstandard eines Menschen unter Fortführung heutiger Produktionsbedingungen dauerhaft zu ermöglichen. Das umfasst Flächen, die zur Produktion seiner Kleidung und Nahrung oder zur Bereitstellung von Energie, z. B. auch zur Entsorgung oder zum Recycling des von ihm erzeugten Mülls oder zum Binden des durch seine Aktivitäten freigesetzten Kohlendioxids benötigt werden.


P - R

Product Carbon Footprint (PCF)

Der Product Carbon Footprint (CO2-Fußabruck) bezeichnet die Bilanz der Treibhausgasemissionen entlang des gesamten Lebenszyklus eines Produktes in einer definierten Anwendung und bezogen auf eine definierte Nutzeinheit (Entwurf der ISO 14067 "Carbon Footprint of Products"). Der PCF stellt ein geeignetes Instrument das, um Möglichkeiten der Reduzierung von Treibhausgasemissionen von Produkten entlang des gesamten Produktlebensweges zu ermitteln.


Return on Social Investment

Auch als Social Return on Investment (SROI) bezeichnet, bedeutet "Sozialrendite". Es handelt sich um einen neuen Ansatz zur Bewertung gesellschaftlichen Mehrwerts, der durch soziale Projekte geschaffen wurde. Die Entwicklung des SROI-Ansatzes stammt aus dem angelsächsischen Raum und basiert auf der Überlegung, wie die Auswirkungen, die durch die Arbeit insbesondere sozialer Organisationen und Projekte im Sinne des Gemeinwohls entstehen, gemessen und finanziell bewertet werden können.


S - U

Schadschöpfung

Die Schadschöpfung entspricht der Summe aller direkt und indirekt verursachten Umweltbelastungen, die von einem Produkt oder einer Dienstleistung ausgehen. Ursachen dafür können z. B. in der Produktion, dem Konsum oder der Entsorgung eines Produktes oder in Aktivitäten wie Transportieren, Imprägnieren etc. liegen.


Slow Cities

Ist eine Bewegung, die 1999 in Italien gegründet wurde. Sie wurde inspiriert von der Philosophie der Slow-Food-Bewegung. Hauptziele sind die Verbesserung der Lebensqualität in Städten und das Verhindern der Vereinheitlichung und Amerikanisierung von Städten, in denen Franchise-Unternehmen dominieren. Die Unterstützung und Betonung von kultureller Diversität und den eigenen und speziellen Werten der Stadt und ihres Umlandes sind ebenfalls zentrale Ziele.


Social Investment

Social Investment bezeichnet die freiwillige finanzielle und nicht-finanzielle Zuwendung, die Gemeinden und Gesellschaften helfen, ihre Entwicklungsziele zu erreichen. Laut UN Global Compact sind diese Investitionen durch vier Prinzipien gekennzeichnet: sie sind zielgerichtet, verantwortlich, respektvoll und ethisch.


Sozioeffektivität

Der Begriff der Sozioeffektivität bezeichnet den Grad der wirksamen Erfüllung sozialer Anliegen, wie z. B. Gleichberechtigung, Fairness, Bedarfs- und Leistungsgerechtigkeit; auch Sozialwirksamkeit.


Sozioeffizienz

Sozioeffizienz kann als das Verhältnis zwischen der Wertschöpfung und den sozialen Schaden bezeichnet werden, wobei der soziale Schaden der Summe aller negativen sozialen Auswirkungen entspricht, die von einem Produkt, Prozess oder einer Aktivität ausgehen. Beispiele für die Sozioeffizienz sind Wertschöpfung €/Anzahl der Personalunfälle oder Wertschöpfung €/Krankheitstage.


Treibhausgasemissionen

Treibhausgase sind Stoffe, die zum Treibhauseffekt beitragen. Das bekannteste und wichtigste Treibhausgas ist Kohlendioxid. Beispiele für weitere Treibhausgase sind Methan oder Lachgas. Gasförmige Stoffe in der Atmosphäre, die zum Treibhauseffekt beitragen, werden als Treibhausgasemissionen bezeichnet. Treibhausgasemissionen bezeichnen dabei diejenigen Gase, für die der Weltklimarat das Treibhausgaspotential bestimmt hat.


UN Global Compact

Der Global Compact versteht sich als ein Dialog- und Lernforum für Unternehmen, das den Austausch über die gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen, deren Vernetzung und die Förderung von sozialen und gesellschaftlichen Engagement zum Ziel hat. Ihm liegen zehn Prinzipien zugrunde, die der Deklaration der Menschenrechte, den Kernarbeitsnormen der ILO, der UN-Konvention gegen Korruption und - im Bereich des Umweltschutzes - der Rio-Deklaration entnommen sind. Mit dem Eintritt in den Global Compact verpflichten sich die teilnehmenden Unternehmen und Institutionen mit einer schriftlichen Erklärung an den UN-Generalsekretär zu deren Einhaltung.


V - Z

Value Statement

Der Begriff bezeichnet ein "Wertversprechen"; er stammt aus der Wirtschaft und ist während der New Economy populär geworden. Er beschreibt, welche Werte ein Unternehmen seinen Kundinnen und Kunden verspricht.



Quellen:
übernommen aus: Pufé, Dr. Iris; Nachhaltigkeitsmanagement, Hanser Verlag, 2021.


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